__________________________________________________________________________________________________
::FAQs::
Inhalt
1. Mediation nach dem transformativen Ansatz
2. Mediation nach dem lösungsorientierten Ansatz
3. Allgemeine Merkmale der Mediation
1. Mediation nach dem transformativen Ansatz
Was sind die Ziele eines Mediationsverfahrens nach diesem Modell?
Die
transformative Mediation ist ein einzigartiger Prozeß, bei dem sich die
Streitparteien (Mediaten) verändern bzw. sich transformieren, indem
sie ermächtigt werden, selbst Probleme und Ziele zu definieren.
Kernbestandteile des transformativen Ansatzes sind 'empowerment' und
'recognition'.
Durch Empowerment (Befähigung) werden sich die Parteien der Ressourcen,
die ihnen zur Verfügung stehen, und deren effektiver Nutzung bewußt.
Solche Fähigkeiten ermächtigen die Streitparteien letztendlich dazu,
für sich gute Entscheidungen zu treffen. 'The party experiences a
greater sense of self worth, security, self-determination and autonomy'
(Bush/Folger, 2004, S. 87). Der zweite Bestandteil "Recognition" ist
zu verstehen als eine gegenseitige Anerkennung, die durch Gedanken,
Worte oder Taten der Parteien vermittelt wird.
Wie verläuft die Konfliktbearbeitung bei der transformativen Mediation?
Das Mediationsverfahren findet grundsätzlich in gemeinsamen Gesprächen unter der neutralen Gesprächsleitung der Mediatoren statt. Wie das Gespräch geführt werden soll, über welche Inhalte oder wohin es führen soll, unterliegt der Entscheidung der Parteien.
Nach Einführung in das Mediationsverfahren und die Vereinbarung des Vorgehens haben die Parteien die Chance, ins Gespräch zu kommen und den Streit aus ihrer Sicht darzustellen. Es können Gemeinsamkeiten und Unterschiede der wechselseitigen Sichtweisen beschrieben werden, um den gegenwärtigen Stand der Situation zu verdeutlichen und eine gegenseitige Anerkennung zu ermöglichen.
Die Parteien können ihre den Konflikt betreffenden Interessen, Gefühle, Beurteilungen, Wünsche und Zielsetzungen darlegen sowie sonstige Informationen geben, die für sie in der Auseinandersetzung von Bedeutung sind. Darüber hinaus können die Parteien gemeinsam und mit Unterstützung der Mediatoren mögliche neue Problemlösungsoptionen entwickeln. Dabei können auch Interessen berücksichtigt und Ideen zur Lösung des Anliegens einbezogen werden, die über den eigentlichen Streitgegenstand hinausgehen. Es liegt allein bei den Parteien, dies zu tun. Was auch während dieses Gespräches eintreten kann, ist, daß sie die Situation und Position des anderen neu sehen und anders bewerten. All dies kann zutage treten, während die Parteien diese Gespräche führen, Entscheidungen treffen und es sie dorthin führt, wohin sie letztlich möchten.
Die Mediatoren fassen auf Wunsch der Parteien das Wichtigste in einem Memorandum als Gesprächsnotiz zusammen. Sollte eine Vereinbarung getroffen werden, obliegt eine vertragliche Ausformulierung allein den Parteien oder ihren rechtlichen Beratern. Sie können von beiden Seiten und von den Mediatoren unterzeichnet werden.
Exkurs:
Das transformativen Modell der Mediation wurde
erstmals von Prof. Robert A. Baruch Bush und Prof. Joseph P. Folger
1994 in dem Buch "The Promise of Mediation" beschrieben. Die
transformative Mediation ist ein einzigartiger Prozeß, bei dem sich die
Streitparteien (Mediaten) verändern bzw. sich transformieren, indem
sie ermächtigt werden, selbst Probleme und Ziele zu definieren.
Kernbestandteile des transformativen Ansatzes sind 'empowerment' und
'recognition'.
Durch Empowerment (Befähigung) werden sich die Parteien der Ressourcen,
die ihnen zur Verfügung stehen, und deren effektiver Nutzung bewußt.
Solche Fähigkeiten ermächtigen die Streitparteien letztendlich dazu,
für sich gute Entscheidungen zu treffen. 'The party experiences a
greater sense of self worth, security, self-determination and autonomy'
(Bush/Folger, 2004, S. 87). Der zweite Bestandteil "Recognition" ist
zu verstehen als eine gegenseitige Anerkennung, die durch Gedanken,
Worte oder Taten der Parteien vermittelt wird.
Nach
Bush und Folger arbeiten Mediatoren im transformativen
Mediationsverfahren lediglich mit der Methode der Reflexion und fassen
das Gesagte der Medianten zusammen. Die neuste Tendenz vernachlässigt
sogar die Verwendung von offenen Fragen, um eine Manipulation der
Parteien weitestgehend zu vermeiden. Damit wird man dem Anspruch auf
Neutralität am besten gerecht. Der Mediator folgt keiner Struktur und
keinen Phasen; ausschließlich die Medianten bestimmen den
Mediationsverlauf. Entscheidend ist dabei, daß der Vermittler den
Parteien bei der Unterhaltung folgt. Insofern wird eine Themensammlung
ausschließlich auf Wunsch der Parteien angefertigt. Nur sie geben die
nächsten Handlungsschritte vor. Die Autoren machen deutlich, daß die
beiden Mediationsansätze grundverschieden und nicht kombinierbar sind.
Mediatoren sollten sich für einen Ansatz entscheiden und ausschließlich
diesem folgen.
Im Ergebnis kann wie beim lösungsorientierten Ansatz
eine gemeinsame Lösungungsfindung mit schriftlicher Vereinbarung
stehen. Dieses ist eine Möglichkeit, insofern sich die Medianten dafür
entscheiden. Doch auch ganz andere (unvorhergesehene) Ergebnisse können
für die Parteien mindestens genauso wertvoll sein. Der Mediator spielt
eine untergeordnete Rolle im Verfahren. Die Parteien werden als die
Experten angesehen, die ihre Probleme selber lösen können, mit minimaler
Hilfestellung eines neutralen Dritten.
Am
meisten Schätze ich an dieser Herangehensweise, daß die Menschen
deutlich in den Mittelpunkt gestellt werden und selbstbestimmt
Entscheidungen fällen können, wodurch dauerhaftere kooperative Beziehungen gestiftet werden.
2. Mediation nach dem lösungsorientierten Ansatz:
Was ist die Rolle des Mediators?
Der
Mediator ist neutral. Er unterstützt alle Konfliktparteien bei der
Geltendmachung ihrer jeweiligen Interessen. Er ist verantwortlich für
den Verlauf der Kommunikation, die Betroffenen sind verantwortlich für
die inhaltliche Lösung. Der Mediator trifft keine Entscheidungen, er
urteilt und bewertet nicht. Er sorgt für ein geschütztes und
vertrauensvolles Arbeitsklima. Er hilft, Vorbehalte und Ängste
abzubauen, fördert die wechselseitige Verständigung und achtet auf
realistische Vereinbarungen.
Was sind die Ziele eines Mediationsverfahrens nach diesem Modell?
Die Ziele eines
Mediationsverfahrens nach dem lösungsorientiertem Ansatz sind konstruktive, individuelle,
zukunftsorientierte, kooperative, tragfähige und nachhaltige, das heißt
dauerhafte und befriedende Konfliktlösungen, nach Möglichkeit mit
persönlichem und sachlichem Gewinn für alle Beteiligten (die sogenannte
win-win-Lösung). Das Mediationsverfahren ist dabei zukunftsorientiert – es
wird nicht nach einer Schuld gefragt. Die Historie eines Konfliktes, die
persönlichen Anteile bei seiner Entstehung sowie seiner
Eskalation – das alles gehört der Vergangenheit an. Im Gegensatz zum
Gerichtsverfahren, in dem ausschließlich aufgrund der Rechtslage und der
Beweislast, also mit Blick auf die Vergangenheit, entschieden wird, ist
diese Vorgehensweise lösungsorientiert.
Wie verläuft ein Mediationsverfahren nach dem lösungsorientierten Ansatz?
Für gewöhnlich führt der Mediator die Parteien von der gegenseitigen Darstellung des Sachverhaltes und den bezogenden Positionen im Konflikt, über die zugrundeliegenden Interessen hin zu einer Vereinbarung durch die Lösung einzelner Themen. Dabei orientiert er sich an einem Phasenmodell:
1. Phase - Auftragsklärung: Nach der Anfrage für eine Mediation nimmt der Mediator Kontakt mit den weiteren am Konflikt Beteiligten auf. Zunächst werden alle Parteien über das Mediationsverfahren und die Rolle und Haltung des Mediators informiert. Dann wird die Frage geklärt, ob alle zur Mediation bereit sind. Für die Konfliktvermittlung wird eine Mediationsvereinbarung abgeschlossen und das weitere Vorgehen miteinander abgestimmt.
2. Phase - Anfertigen einer Themenliste: Zu Beginn der zweiten Phase stellen die Parteien ihre Streitpunkte und Anliegen im Zusammenhang dar, so daß die Themen und Konfliktfelder gesammelt und für die weitere Bearbeitung strukturiert werden können.
3. Phase - Positionen und Interessen / Sichtweisen- und Hintergrunderkundung: In der Exploration genannten dritten, zeitlich umfangreichsten Phase erhalten die Konfliktparteien die Möglichkeit, ihre Sicht des Konflikts zu jedem Themenpunkt umfassend darzustellen. Informationen und Wahrnehmungen werden ausgetauscht, bevor auf die unterschiedlichen und gemeinsamen Wünsche, Bedürfnisse und Interessen der Parteien vertiefend eingegangen und damit der Konflikt umfassend erhellt werden kann. Dabei kommen neben den Positionen der Konfliktparteien deren Hintergründe, Ziele, Interessen und Emotionen zum Vorschein.
4. Phase - Sammeln und Bewerten von Optionen / Alternativen: Es beginnt eine kreative Phase der Ideenfindung, um möglichst viele neue Lösungsoptionen zu entwickeln. Anschließend erfolgt die Auswahl aus den Lösungsoptionen durch Entscheidung im Konsens sowie die Vorbereitung einer verbindlichen Abschlußvereinbarung, in der Ergebnisse zum gemeinsam Nutzen konkretisiert und formuliert werden.
5. Phase - Abschlußvereinbarung: Hierbei regeln die Konfliktparteien in einer Abschlußvereinbarung die gefundene Lösung im Detail.
Nebenwirkungen:
Im Laufe einer Mediation verändern sich die Konfliktparteien eventuell zu Personen, die wieder kooperativer miteinander umgehen können.
3. Grundlegende Merkmale der Mediation
Wie lange dauert eine Mediation?Die
Dauer einer Mediation richtet sich nach dem Einzelfall. Wie komplex ist
der Fall? Wieviele Menchen sind beteiligt? Wie emotional ist die
Streitigkeit aufgeladen? Wir sind bestrebt, den Mediationsprozess auf
möglichst wenige Sitzungen zu verdichten. In der Regel setzen wir
maximal 2 x 4 Stunden an. Dabei erfolgt eine komplexe und intensive
Bearbeitung.
Was sind die Grundprinzipien der Mediation?
Selbstbestimmtheit
und Selbstverantwortung, Freiwilligkeit, Vertraulichkeit, Kooperation,
Akzeptanz, Ergebnisoffenheit, Zukunftsorientiertheit und die
Allparteilichkeit der Mediatoren sind die tragenden Prinzipien der
Mediation.
Was sind die Ziele eines Mediationsverfahrens?
Grundsätzlich
bestimmten die Parteien die Ziele eines Mediationsverfahrens. Es hängt
also davon ab, was sie erreichen wollen und wie groß ihre Bereitschaft
dafür ist. Vor allem
nach dem lösungsorientiertem Ansatz der Mediation sind konstruktive,
individuelle,
zukunftsorientierte, kooperative, tragfähige und nachhaltige, das heißt
dauerhafte und befriedende Konfliktlösungen das Ziel der Gespräche. Nach
Möglichkeit sollte dabei ein persönlicher und sachlicher Gewinn für
alle Beteiligten (die sogenannte
win-win-Lösung) entsteht.
Ein Mediationsverfahren ist zukunftsorientiert – es
wird nicht nach einer Schuld gefragt. Die Historie eines Konfliktes, die
persönlichen Anteile bei seiner Entstehung sowie seiner
Eskalation – das alles gehört der Vergangenheit an. Im Gegensatz zum
Gerichtsverfahren, in dem ausschließlich aufgrund der Rechtslage und der
Beweislast, also mit Blick auf die Vergangenheit, entschieden wird, ist
Mediation lösungsorientiert. Wie verhält es sich mit den Kosten für die Mediation?
Aufwand und Kosten stehen in einem angemessenen Verhältnis zueinander. Egal, ob Sie sich über Fehler beim Bau eines Hauses, über die Aufteilung eines Erbes oder die Besuchsregelung für Ihr Kind streiten - die Kosten orientieren sich nicht am „Streitwert“, sondern berechnen sich nur nach Dauer und Häufigkeit der Mediationssitzungen.
Die Höhe des Preises für eine Sitzung ist Verhandlungsbasis und wird zu Beginn der Mediation festgelegt. Die individuelle Leistungsfähigkeit der Konfliktparteien findet dabei Berücksichtigung.
Als Grundsatz gilt daher: Je höher der Streitwert, desto günstiger das Mediationsverfahren im Vergleich zu einem gerichtlichen Prozeß. Dazu folgendes Beispiel (ohne ggf. zusätzlich anfallende MwSt.):
| Gerichtsverfahren
| Mediationsverfahren |
| Fall 1 Streitwert 5.000,- € | Anwalts- und Gerichtsgebühren in erster Instanz:
1.908,- € Anwalts- und Gerichtsgebühren durch zwei Instanzen: 4.117,60 €
| Sie vereinbaren mit den Mediatoren einen Stundensatz von 100,- €.
Bei einer durchschnittlichen Mediationsdauer von 10 Stunden kostet das Mediationsverfahren
1.000,- €. |
| Fall 2 Streitwert 10.000,- € | Anwalts- und Gerichtsgebühren in erster Instanz:
3.058,- €
Anwalts- und Gerichtsgebühren durch zwei Instanzen: 6.603,60 € | Sie vereinbaren mit den Mediator einen Stundensatz von 100,- €.
Bei einer durchschnittlichen Mediationsdauer von 10 Stunden kostet das Mediationsverfahren 1.000,- € |
Können die Kosten von Dritten übernommen werden?
Rechtsschutzversicherungen haben ihre Kunden traditionell gegen Kosten versichert, die durch Gerichtsverfahren entstehen. Mit Ausdehnung der Mediationspraxis übernehmen sie zunehmend auch die Kosten für Mediationsverfahren. Ist einer der Medianten rechtsschutzversichert, so ist individuell zu prüfen, ob das Risiko, aus dem der Streit entstanden ist, von dem vereinbarten Versicherungsschutz umfaßt ist. In § 5 Abs. 1 d) ARB 94/2000 ist geregelt, daß der Versicherer die Gebühren eines Schieds- oder Schlichtungsverfahrens bis zur Höhe der Gebühren trägt, die im Falle der Anrufung eines zuständigen staatlichen Gerichtes erster Instanz entstehen. Schlichtungsverfahren kann hier als Oberbegriff aufgefaßt werden, der Mediation mit umfaßt. Diese Frage muß allerdings mit jeder Rechtsschutzversicherung im Einzelfall geklärt werden.
Prozeßkostenhilfe gibt es für die Mediation (derzeit noch) nicht, da es sich bei der Mediation nicht um ein gerichtliches Verfahren handelt.
Wann ist Mediation das geeignete Verfahren? Mediation bietet sich an, wenn Menschen ein gemeinsames, klärungs- und/oder regelungsbedürftiges Anliegen haben, das sie selber (am besten) regeln können, was sie mit Unterstützung eines Mediators besser, d. h. beziehungsgerechter, interessengerechter, umfassender, wertschöpfender, nachhaltiger, schneller oder leichter und kostengünstiger erreichen. Sobald ein Gespräch der Beteiligten untereinander nicht mehr dazu beiträgt, daß Konflikte geklärt werden, sondern eher weitere Konflikthemen und Konfliktereignisse hinzukommen (Eskalation), ist eine Mediation empfehlenswert.
Mediation bietet sich insbesondere an, wenn es den Parteien wichtig ist oder sie gezwungen sind, auch in Zukunft miteinander zu tun zu haben.
Wenn eine Seite sich unwohl fühlt, die andere Seite mit dem Konflikt zu konfrontieren, solange nicht eine dritte Person anwesend ist, oder die Beteiligten nicht mehr mit einander reden können, ist Mediation sinnvoll.
Auch in Fällen, in denen eine oder beide Parteien öffentliche Verfahren vermeiden möchten, empfiehlt sich Mediation als vertrauliches Verfahren.
Wann ist Mediation nicht geeignet?
Grenzen der Mediation sind ein Bedürfnis nach Drittentscheidung, Verantortungsabgabe, fehlende Kooperationsbereitschaft, nicht vorhandene Lösungsoffenheit, kein Verhandungsspielraum.
Das Nichtvorhandensein eines Einigungsbereichs ist die Ausnahme - tatsächlich läßt sich fast immer eine Ergebnis erarbeiten. Eine Mediation kann auch insofern Sinn ergeben, als die Verhandlungspartner Sicherheit erlangen können, daß keine Kooperations- und Wertschöpfungspotentiale unberücksichtigt bleiben - also die beste aller möglichen Lösungen gefunden und gewählt wird.
Wie kann ich selbst Mediator werden?
In Deutschland gibt es keine gesetzliche Regelung einer Mediationsausbildung. Die Regulierung definierter Qualitätsstandards haben die Fachverbände übernommen, insbesondere die Bundesarbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation (BAFM), der Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt (BMWA) und der Bundesverband Mediation (BM). Näheres dazu finden Sie auf unseren Ausbildungsseiten.
Für mehr Wissenswertes über Mediation klicken Sie bitte hier (PDF).
Für mehr Wissenswertes über Konflikte klicken Sie bitte hier (PDF).